Schlüsselweite bei metrischen Schrauben
Die Schlüsselweite gibt an, wie weit die beiden parallelen Angriffsflächen eines Sechskants voneinander entfernt sind. Sie ist damit das entscheidende Maß dafür, welcher Maulschlüssel, Ringschlüssel oder Steckschlüsseleinsatz auf eine Schraube oder Mutter passt. Mit dem Gewindedurchmesser hängt sie zusammen, ist aber keine frei wählbare Größe, sondern für jede Gewindegröße in Normen festgelegt.
Definition und Messung der Schlüsselweite
Als Schlüsselweite, abgekürzt SW, bezeichnet man den senkrechten Abstand zweier gegenüberliegender, zueinander paralleler Flächen eines Außen- oder Innensechskants. Gemessen wird über die Flächen, nicht über die Ecken: Das Eckmaß, also der Abstand zweier gegenüberliegender Kanten, fällt beim regelmäßigen Sechskant deutlich größer aus und ist für die Werkzeugauswahl ohne Bedeutung. Angegeben wird die Schlüsselweite in Millimetern, im angloamerikanischen Raum dagegen in Zoll; die englische Bezeichnung lautet across flats, kurz AF. Auch Vierkante, Zweikante an Ventilspindeln und die Innensechskante von Zylinderschrauben werden nach demselben Prinzip vermaßt.
Das Nennmaß der Schlüsselweite ist am Verbindungselement ein Höchstmaß: Die tatsächlichen Flächen liegen geringfügig darunter, damit sich das Werkzeug aufstecken lässt. Umgekehrt ist die Öffnung des Schlüssels geringfügig größer als das Nennmaß. Aus diesen Toleranzen ergibt sich ein kleines Spiel, das ein Ansetzen ohne Klemmen erlaubt, bei starker Abnutzung oder grober Fertigung aber zum Abrutschen und zum Rundschleifen der Kanten führen kann. Ringschlüssel und Steckschlüsseleinsätze mit Anlage an den Flächen verteilen die Kraft besser als Maulschlüssel, die nur an zwei Flächen angreifen.
Zuordnung zu metrischen Regelgewinden
Jeder metrischen Regelgewindegröße ist eine bestimmte Schlüsselweite zugeordnet, damit Schraubenköpfe, Muttern und Werkzeuge zueinander passen. Für die heute gebräuchlichen Sechskantschrauben nach den internationalen Normen gilt unter anderem: M4 hat die Schlüsselweite 7, M5 die Weite 8, M6 die Weite 10, M8 die Weite 13, M10 die Weite 16, M12 die Weite 18, M16 die Weite 24, M20 die Weite 30 und M24 die Weite 36. Die Schlüsselweite wächst also mit dem Gewindedurchmesser, jedoch nicht in einem einfachen festen Verhältnis.
Ältere Sechskantschrauben nach den früheren deutschen Normen tragen bei einigen Größen abweichende Köpfe: Dort gehören zu M10 die Weite 17 und zu M12 die Weite 19. Beide Bauformen sind im Bestand weiterhin anzutreffen, weshalb ein vollständiger Schlüsselsatz beide Weiten enthalten sollte. Auch bei M14 stehen zwei Weiten nebeneinander im Gebrauch. Feingewinde ändern an der Zuordnung nichts, da sie sich nur in der Steigung, nicht im Außendurchmesser vom Regelgewinde unterscheiden. Abweichende Kopfformen wie Flanschschrauben, Hutmuttern oder Schrauben mit besonders kleinem Kopf können dagegen eigene, meist kleinere Weiten besitzen.
Werkzeugauswahl in der Praxis
Für die Werkstatt ist die Schlüsselweite die maßgebliche Bestellangabe: Ein Steckschlüsseleinsatz wird nach ihr ausgewählt, nicht nach der Gewindegröße der Schraube. Zwölfkantprofile passen auf dieselbe Schlüsselweite wie Sechskantprofile und erlauben ein feineres Ansetzen auf engem Raum, greifen dabei jedoch näher an den Kanten. Bei festsitzenden oder bereits beschädigten Verbindungen sind Einsätze mit Anlage an den Flächen die schonendere Wahl.
Kennzeichnung von Schlüsseln und Nüssen
Maulschlüssel, Ringschlüssel und Steckschlüsseleinsätze tragen die Schlüsselweite eingeprägt oder aufgedruckt, bei metrischen Werkzeugen als bloße Zahl in Millimetern. Zöllige Werkzeuge sind zusätzlich mit Bruchangaben gekennzeichnet. Da einige zöllige und metrische Weiten dicht beieinander liegen, führt ein Vertauschen zu Spiel und beschädigten Kanten. Der Antriebsvierkant von Steckschlüsseleinsätzen, üblich in den Größen ein Viertel, drei Achtel und ein halbes Zoll, ist von der Schlüsselweite unabhängig und beschreibt nur die Verbindung zur Knarre.