FeldbuchNormen und Masse des Alltags, nachgeschlagen

Holzfeuchte und ihre Bestimmung

Holzfeuchte beschreibt, wie viel Wasser ein Stück Holz im Verhältnis zu seiner trockenen Substanz enthält. Der Wert entscheidet über Brennwert, Schwindmaß und Formstabilität und wird deshalb sowohl im Brennstoffhandel als auch in der Möbeltischlerei geprüft. Zwei Verfahren haben sich durchgesetzt: die Darrprobe im Trockenschrank und die elektrische Widerstandsmessung am Einstichgerät.

Gespaltene Holzscheite auf einem Stapel, daneben ein Einstichmessgerät mit zwei Elektroden
Holzfeuchte: Darrprobe und Widerstand — schematische Darstellung.

Definition und Berechnung der Holzfeuchte

Die Holzfeuchte ist als Quotient aus der Masse des im Holz enthaltenen Wassers und der Masse des darrtrockenen Holzes definiert. Bezugsgröße ist also die Trockensubstanz, nicht das feuchte Gesamtgewicht. Daraus folgt eine Eigenheit, die immer wieder für Verwirrung sorgt: Werte über hundert Prozent sind möglich und bei frisch geschlagenem Nadelholz keineswegs selten, denn ein Stamm kann mehr Wasser tragen, als seine Zellwandsubstanz wiegt.

Davon zu unterscheiden ist der Wassergehalt, der dieselbe Wassermasse auf das Gesamtgewicht des feuchten Holzes bezieht und daher stets unter hundert Prozent bleibt. In der Brennstoffbranche wird häufig mit dem Wassergehalt gerechnet, im Holzbau und in der Tischlerei dagegen mit der Holzfeuchte. Ohne Angabe des Bezugs sind Zahlenwerte kaum vergleichbar.

Holz ist hygroskopisch: Es nimmt Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft auf und gibt sie wieder ab, bis sich ein Gleichgewicht mit Temperatur und relativer Luftfeuchte einstellt. Diese Ausgleichsfeuchte ist der Grund, weshalb ein Brett je nach Jahreszeit und Raumklima quillt oder schwindet. Unterhalb des Fasersättigungsbereichs, in dem nur noch gebundenes Wasser in den Zellwänden sitzt, ändern sich Maße und Festigkeit mit jedem Prozentpunkt.

Darrprobe und elektrische Widerstandsmessung

Die Darrprobe gilt als Referenzverfahren. Eine Probe wird gewogen, im Trockenschrank bei etwas über hundert Grad Celsius bis zur Massekonstanz getrocknet und erneut gewogen. Die Differenz beider Wägungen ist die Wassermasse, das Endgewicht die Darrmasse. Das Verfahren ist genau, zerstört jedoch die Probe und dauert je nach Dicke und Holzart viele Stunden bis mehrere Tage.

Das elektrische Widerstandsmessgerät nutzt aus, dass der elektrische Widerstand von Holz mit steigender Feuchte stark abnimmt. Zwei Elektroden werden in das Holz getrieben, das Gerät rechnet den gemessenen Widerstand in einen Feuchtewert um. Das Ergebnis liegt in Sekunden vor, zurück bleiben nur kaum sichtbare Einstichlöcher; auf der Baustelle, im Lager und in der Werkstatt ist das die übliche Arbeitsweise.

Grenzen der Widerstandsmessung

Die Umrechnung hängt von Holzart und Temperatur ab; ohne passende Korrektur weichen die Anzeigen deutlich ab. Oberhalb der Fasersättigung wird die Messung unzuverlässig, weil freies Wasser in den Hohlräumen den Widerstand kaum noch verändert, und im sehr trockenen Bereich ist der Widerstand so hoch, dass er schwer aufzulösen ist.

Gemessen wird zudem nur die Strecke zwischen den Elektrodenspitzen, weshalb die Randfeuchte eines Scheits erheblich von der Kernfeuchte abweichen kann. Wer verlässliche Werte braucht, misst an mehreren Stellen und an frisch gespaltenen Flächen. Für strittige Fälle bleibt die Darrprobe maßgeblich.

Richtwerte für Brennholz und Möbelholz

Brennholz soll trocken verbrannt werden. Übliche Anforderung an Scheitholz für kleine Feuerungsanlagen ist eine Holzfeuchte von höchstens etwa zwanzig Prozent. Nasses Holz verbraucht einen Teil der freigesetzten Energie für das Verdampfen des Wassers, brennt kühler, rußt stärker und begünstigt Ablagerungen im Schornstein. Frisch geschlagenes Holz erreicht den Zielbereich erst nach ein bis zwei Jahren luftiger, überdachter Lagerung, gespalten und mit Abstand zwischen den Stapeln.

Möbel- und Innenausbauholz wird deutlich weiter heruntergetrocknet, weil es sich der Ausgleichsfeuchte beheizter Räume anpassen muss. Übliche Zielbereiche liegen bei ungefähr sechs bis zehn Prozent für dauerhaft beheizte Innenräume und etwas darüber für Bauteile in unbeheizten oder nur zeitweise beheizten Bereichen. Wird zu feuchtes Holz verarbeitet, reißen Leimfugen auf, Furniere lösen sich, Schubladen klemmen.

Deshalb wird Schnittholz vor der Verarbeitung technisch getrocknet und anschließend im Werkstattklima akklimatisiert. Eine Kontrollmessung kurz vor dem Zuschnitt gehört zur guten Praxis.

Die Herleitung der Zwischenwerte steht im Anhang zur Umrechnungstabelle.

Belege

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