Die Nennweite DN bei Rohren
Die Nennweite, gekennzeichnet mit dem Kürzel DN, ist eine der meistgenutzten und zugleich am häufigsten missverstandenen Kenngrößen der Rohrleitungstechnik. Sie ordnet Rohre, Formstücke und Armaturen einer gemeinsamen Baureihe zu, damit Bauteile verschiedener Hersteller zusammenpassen. Der Zahlenwert hinter dem Kürzel ist dabei bewusst gerundet und trägt keine Maßeinheit.
Was die Nennweite tatsächlich bezeichnet
Das Kürzel DN steht für Nenndurchmesser, im internationalen Sprachgebrauch auch für Diameter Nominal. Es bezeichnet keine gemessene Länge, sondern eine Ordnungszahl aus einer festgelegten Reihe gerundeter Werte. Übliche Stufen sind etwa DN 15, DN 20, DN 25, DN 32, DN 40, DN 50, DN 65, DN 80 und DN 100. Alle Bauteile, die derselben Nennweite zugeordnet sind, passen im Rahmen der zugehörigen Norm zusammen: Ein Flansch DN 50 findet sein Gegenstück in einem Rohr DN 50, unabhängig davon, ob das Rohr aus Stahl, Gusseisen oder Kunststoff besteht.
Diese Zuordnung ist der eigentliche Zweck der Nennweite. Sie erspart die Angabe mehrerer Einzelmaße in Planung, Ausschreibung und Bestellung und macht Bauteile über Werkstoffe und Hersteller hinweg austauschbar. Der Zahlenwert liegt ungefähr in der Größenordnung des lichten Durchmessers in Millimetern, ist aber gerundet und damit lediglich eine Näherung.
Warum DN keine Millimeterangabe ist
Der Grund dafür liegt in der Wandstärke. Ein Rohr besitzt einen Außendurchmesser und einen davon abhängigen Innendurchmesser; dazwischen liegt die Wand, deren Dicke sich nach Werkstoff, Druckstufe und Fertigungsverfahren richtet. Wird ein Rohr für höhere Drücke dickwandiger ausgeführt, verringert sich sein Innendurchmesser, während der Außendurchmesser gleich bleibt, damit Verbindungen und Armaturen weiterhin passen. Eine einzige Zahl kann beide Maße daher nicht gleichzeitig wiedergeben.
Deshalb ist die Nennweite bewusst dimensionslos: Sie wird ohne Einheit geschrieben, also DN 100 und nicht DN 100 mm. Der tatsächliche Innendurchmesser eines Rohres DN 100 kann je nach Werkstoff und Wandstärke merklich darüber oder darunter liegen. Für hydraulische Berechnungen, Strömungsgeschwindigkeiten oder Druckverluste sind daher stets die tatsächlichen Maße aus der jeweiligen Produktnorm oder dem Datenblatt heranzuziehen.
Nennweite und Nenndruck als Baureihen
Neben der Nennweite existiert mit dem Nenndruck PN eine zweite dimensionslose Kennzahl. Sie bezeichnet eine Druckstufe und damit eine Baureihe von Bauteilen, deren Anschlussmaße aufeinander abgestimmt sind. Erst die Kombination aus Nennweite und Nenndruck legt bei Flanschen Lochkreis, Schraubenzahl und Dichtfläche eindeutig fest.
DN, Außendurchmesser und Zoll in der Praxis
Bei metallischen Rohren wird neben der Nennweite häufig der Außendurchmesser als tatsächliches Maß angegeben, weil er das Fertigungs- und Verbindungsmaß ist. Kunststoffrohrsysteme werden überwiegend direkt über Außendurchmesser und Wandstärke bezeichnet, sodass die Nennweite dort nur als grobe Zuordnung dient.
Historisch ist die Reihe der Nennweiten eng mit der Zollteilung des Gewinderohrs verknüpft. Ein Rohr mit einem halben Zoll Anschlussgewinde entspricht ungefähr DN 15, ein Zoll ungefähr DN 25. Auch diese Zuordnung bleibt eine Näherung, denn das Zollmaß bezog sich ursprünglich auf den lichten Querschnitt älterer Rohre und nicht auf das heutige Gewindemaß. Wer Bauteile beschafft, liest die Nennweite deshalb als Ordnungsbegriff und entnimmt die maßgeblichen Millimeterwerte der Produktangabe.