Die Mohssche Härteskala ordnet zehn Minerale nach ihrer Widerstandsfähigkeit gegen das Ritzen. Der Mineraloge Friedrich Mohs stellte sie zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts auf, damit sich Gesteine ohne Laborgerät im Gelände unterscheiden lassen. Ihre Stufen geben eine Rangfolge an, keine Messwerte, und genau darin liegt der häufigste Irrtum im Umgang mit ihr.
Aufbau der Skala von 1 bis 10
Die Reihe beginnt bei Talk mit der Stufe 1 und endet bei Diamant mit der Stufe 10. Dazwischen liegen Gips, Calcit, Fluorit, Apatit, Orthoklas, Quarz, Topas und Korund. Das Prüfverfahren ist denkbar einfach: Zwei Minerale werden aneinander gerieben. Hinterlässt das eine im anderen einen dauerhaften Kratzer, so ist es das härtere. Bleiben beide unversehrt oder greifen sie einander gleichermaßen an, liegen sie auf derselben Stufe.
Im Gelände ersetzen Hilfsmittel die Vergleichsminerale. Der Fingernagel ritzt Gips, nicht aber Calcit; eine Kupfermünze reicht bis in den Bereich des Calcits; eine Messerklinge oder eine Fensterglaskante bleibt unterhalb des Quarzes; eine gehärtete Stahlfeile ordnet sich zwischen Orthoklas und Quarz ein. Damit lässt sich ein unbekanntes Stück rasch in ein Härtefenster einordnen, auch wenn keine Mineralstufen zur Hand sind.
Warum die Skala ordinal ist
Eine ordinale Skala legt allein die Reihenfolge fest, nicht die Abstände zwischen den Rängen. Stufe 4 bedeutet nicht doppelt so hart wie Stufe 2, und der Weg von 8 auf 9 entspricht nicht dem Weg von 2 auf 3. Mohs wählte seine zehn Minerale danach aus, dass jedes das vorhergehende ritzt und in guter Qualität verfügbar ist, nicht danach, dass die Sprünge gleich groß ausfallen.
Vergleicht man die Stufen mit Verfahren, die eine physikalische Härte in Zahlen ausdrücken, etwa Eindringprüfungen nach Vickers oder Knoop, treten die ungleichen Abstände deutlich hervor. Im unteren Bereich liegen die Stufen dicht beieinander, im oberen weit auseinander. Mit Mohshärten zu rechnen, also Mittelwerte zu bilden oder Differenzen zu deuten, ist deshalb ohne Aussagekraft.
Der Sprung von Korund zu Diamant
Am auffälligsten ist der Abstand zwischen den beiden obersten Stufen. Korund und Diamant trennt nur eine Ziffer, in absoluten Härtewerten liegt Diamant jedoch um ein Vielfaches darüber und damit weiter entfernt, als der gesamte Bereich von Talk bis Korund breit ist. Diese Verzerrung ist kein Mangel der Skala, sondern die Folge ihrer Bauart, denn sie zählt Ränge und misst keine Größen.
Anwendung im Gelände und in der Werkstatt
Trotz ihrer Grobheit hat sich die Skala gehalten, weil sie ohne Gerät auskommt und ein sofort prüfbares Merkmal liefert. In der Mineralogie grenzt sie ähnlich aussehende Minerale voneinander ab, etwa Calcit von Quarz. Bei Schmucksteinen und Uhrgläsern beschreibt sie die Kratzempfindlichkeit im Alltag, denn Quarz ist in Sand und Hausstaub allgegenwärtig und greift an, was unterhalb der Stufe 7 liegt. Für die Werkstoffprüfung an Metallen ist sie dagegen ungeeignet; dort liefern genormte Eindringverfahren belastbare Zahlen.