FeldbuchNormen und Masse des Alltags, nachgeschlagen

Die Kalenderwoche nach ISO 8601

Die internationale Norm ISO 8601 legt fest, wie Kalenderwochen gezählt werden. Sie bestimmt den Montag als ersten Wochentag und knüpft die Nummerierung an den Donnerstag. Aus dieser scheinbar kleinen Festlegung folgt ein System, das jedes Jahr in ganze Wochen teilt und gelegentlich eine dreiundfünfzigste Woche hervorbringt.

Kalenderraster mit hervorgehobener erster Woche und markiertem ersten Donnerstag des Jahres
Woche 1: der erste Donnerstag — schematische Darstellung.

Montag als Wochenbeginn, Donnerstag als Anker

Nach ISO 8601 beginnt jede Woche am Montag und endet am Sonntag. Die Zählung innerhalb eines Jahres richtet sich nicht nach dem 1. Januar, sondern nach dem ersten Donnerstag: Diejenige Woche, in die er fällt, trägt die Nummer 1. Gleichwertig lässt sich sagen, dass Woche 1 stets den 4. Januar enthält oder dass mindestens vier ihrer Tage im neuen Jahr liegen.

Der Donnerstag ist als Anker gewählt, weil er der mittlere Tag einer von Montag bis Sonntag laufenden Woche ist. Eine Woche wird damit stets jenem Jahr zugeschlagen, in dem die Mehrzahl ihrer Tage liegt. Aus dieser Regel folgt zwangsläufig, dass der 29., 30. oder 31. Dezember schon zur Woche 1 des Folgejahres gehören kann, während der 1., 2. oder 3. Januar noch zur letzten Woche des Vorjahres zählt.

Warum manche Jahre 53 Wochen haben

Weil das System nur ganze Wochen kennt, deckt es das Kalenderjahr nie exakt ab. Ein gewöhnliches Jahr hat 365 Tage, also 52 Wochen und einen Resttag; ein Schaltjahr bringt zwei Resttage mit. Diese Reste summieren sich über die Jahre, bis sie eine vollständige zusätzliche Woche ergeben. Dann erhält das betreffende Jahr eine Woche 53.

Formal gilt: Ein Jahr ist lang, wenn der 1. Januar auf einen Donnerstag fällt, und ebenso, wenn es ein Schaltjahr ist und der 1. Januar ein Mittwoch ist. Gleichbedeutend damit ist die Bedingung, dass der 31. Dezember ein Donnerstag ist. Im 400-jährigen Zyklus des gregorianischen Kalenders treten 71 solcher langen Jahre auf, alle übrigen 329 zählen 52 Wochen.

Das Wochenjahr weicht vom Kalenderjahr ab

Aus der Verschiebung zwischen Wochen- und Kalenderjahr folgt, dass beide Angaben getrennt geführt werden müssen. Die Norm sieht dafür eine eigene Schreibweise vor, in der auf die vierstellige Jahreszahl ein großes W und die zweistellige Wochennummer folgen; ein angehängter Ziffernwert bezeichnet den Wochentag, wobei der Montag die Eins und der Sonntag die Sieben trägt. Wer eine Wochennummer ohne das zugehörige Wochenjahr notiert, verliert an den Jahresgrenzen die Eindeutigkeit.

Kalenderwochen in Technik und Verwaltung

Kalenderwochen sind in Mitteleuropa fest im Arbeitsalltag verankert. Produktionspläne, Lieferzusagen, Schulferienlisten und Projekttermine werden häufig auf Wochennummern statt auf Datumsangaben bezogen, weil eine Woche eine handliche Planungseinheit bildet. In Deutschland galt die Zählweise zunächst über eine eigene nationale Norm und wurde später durch die Übernahme von ISO 8601 abgelöst.

International ist die Regel jedoch nicht allgemein verbreitet. In Teilen Nordamerikas und Asiens beginnt die Woche am Sonntag, und als Woche 1 gilt schlicht jene, in die der 1. Januar fällt. Tabellenkalkulationen und Programmbibliotheken bieten deshalb meist mehrere Wochenzählungen an, die in den ersten und letzten Tagen eines Jahres um eine Nummer voneinander abweichen können. Beim Datenaustausch über Systemgrenzen hinweg empfiehlt es sich, entweder das Wochenjahr mitzuführen oder gleich das vollständige Datum anzugeben.

Belege

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